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Munnar Tea Plantations

Ort: Indien / Kerala / Munnar
Aktivität: Station auf einer Rucksackreise
Am Abend nach meiner Ankunft mache ich ein paar Notizen in mein Tagebuch. Ein kurzer Ausflug in einer Wald mit bezaubernden alten Bäumen und Aussicht auf die Teeplantagen hat mich dazu inspieriert:

Reisen ist die schönste Art Fernzusehen!
Mit Geruch, ohne die Möglichkeit durchs Programm zu zappen und immer voller Überraschungen!

Ein mittels Klimaanlage unterkühlter Touristenbus hat mich am Nachmittag von Cochin hierher gebracht. Ich geniese die Kühle der Berglandschaft der Westghats und mein angenehmes Hotel. Für diese Reise habe ich mich kaum vorbereitet, vertraue auf Instinkt und Empfehlungen, erlebe jeden Ort sehr unvoreingenommen.
Meiner ersten Nacht folgt ein Frühstück und mein Morgenyoga. Der Garten um das Hotel ist liebevoll angelegt, ganze Büsche voll Weihnachtssterne blühen hier wie selbstverständlich.
Eine quälend heisere Hupe im Hof verkündet die Ankunft von Rangis. Er ist mein Tuc-Tuc-Fahrer, persönlicher Reiseführer und Freund für die nächsten zwei Tage. 600 Rupien, weniger als 10 EUR kostet sein Expertenwissen, Gefährt und Sprit pro Tag, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft eingeschlossen.
An unserem ersten gemeinsamen Tag folgen wir dem Standart-Touristen-Programm. Rangis knattert mit seiner Motor Rikshaw durch die Hügel von Munnar. Wir halten an einer Plantage an, um uns die Pflanzungen von nahem anzusehen. "Alle sieben Jahre werden neue Teebäume gepflanzt", lerne ich von ihm. "Alle 14 Tage gehen Pflückerinnen durch die Reihen und nehmen die Blätter von den Pflanzen. Zwischen den niederen Teebäumen sind hohe Bäume gepflanzt. Diese Speichern Wasser in ihren Wurzeln und spenden Schatten." bereichert er meine Kentnisse über Tee, welche bisher im wesentlichen aus Zubereitung und Konsum bestehen.
Die Gegend bietet Arbeit für ca. 15.000 Plantagen- und Fabrik-Arbeiter. Das Land ist vom indischen Superkonzern Tata für 1000 Jahre vom indischen Staat gepachtet. 26 Teefabriken sind hier ansässig, eine davon wir unser nächster Stop.
Am Parkplatz strömt mir zunächst Hustenbonbonduft in die Nase. Eukalyptusbäume sind hier gepflanzt und verströmen ihre etherischen Öldufte. In der Fabrik wird uns die Teeverarbeitung und die dazugehörigen Maschinen gezeigt. Ein Teil der Blätter wird in riesigen Bottichen zu schwarzen Tee fermentiert. Grüner und auch der weise Delikatestee der ganz feinen Blätter werden direkt getrocknet und sortiert. Ein Laden bietet Outlet-Tee in einer beträchtlichen Anzahl von Sorten, ein Museum führt durch die Kolonial-Zeit. Die Teefabriken sind kulturelles Erbe der englischen Kolonialisierung und noch heute in britischem Besitz.
Für den zweiten Tag habe ich mir ein etwas weniger touristisches Program von Rangis gewünscht. Wir fahren ein enges Tal von Munnar hinaus. Nach einer halben Stunde hält Rangis an einem Hügel über dem Ort. "Dort unten wohnt meine Familie" bekomme ich mit einen Armzeig auf die Häuser am Fluss erklärt. "Und hier an diesem Platz mache ich gerne am Abend ein Feuer mit meinen Freunden, um einen Geburtstag zu feiern oder nur um zusammen zu sein", fährt er fort.
Die unendliche Weite der Teefelder begleitet uns weiter hinaus aus der Stadt. An einer Brücke hält Rangis. Nach ein paar Minuten des Schauens und Wartens eilt eine Inderin herbei um die paar Rupien Eintritt zu kassieren. Viel ist hier nicht los. Ich bin der einige Tourist hier.
"Hier hinunter geht es zum Wasserfall" bedeutet mir Rangis und entlässt mich mit den Worten: "Wir treffen uns in einer Stunde wieder oben am TucTuc". Einen Hang hintunter steigend erkundige ich den Wasserlauf. Unten mündet das schnelle Wasser in eine 2 Meter hohe Kaskade unter dem ein natürliches Becken geformt ist.
Die Dorfjugend hat unter dem Wasserfall badend Spass und winkt mich heran. Es kostet mich etwas Überwindung meine Sachen, darunter meine Kamera und mein Geldbeutel, am Ufer abzulegen. Mit der Unterhose begleidet nehme ich ein Bad in dem herrlich erfrischendem Pool um mich dann auf den Weg zu den Jungs am Wasserfall zu machen. Sie sind freundlich und reden auf mich ein. Leider verstehe ich praktisch nichts, leider haben wir nur wenige Worte Englisch gemein. Das hindet uns aber nicht am gemeinsamen Badespass. Ich mache Bilder von Ihnen, sie von mir und und uns zusammen und ich von ihnen mit deren Handys.
Ein kurzes Bad in der Sonne trocknet meine Sachen und wie erwartet treffe ich an der Straße oben wieder auf Rangis. Auf dem Rückweg bittet ich um einen kurzen Stop an einem der zahlreichen kleinen Tempel hier. Reich an Figuren und Farben zeugen sie von der Religiösität der Menschen hier.
Zurück in Munnar stärke ich mich in einem der Chai-Shops mit leckeren inidschen Bäckereien. Ein kurzer Gang über die Straße führt mich zum Markt. Ein Eldorado der frischen Früchte, aber auch Herberge ungewohnter Essgewohnheiten. Die kleinen getrockneten Fische lassen einen atemberaubenden Geruch in meine Nase steigen.
Rangis setzt mich in meinem etwas außerhalb gelegenen Hotel ab, ich bitte Ihn mich am nächsten Morgen nocheinmals abzuholen und mich zur Bushaltestelle zu fahren.

Karte Munnar Tea Plantations

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